Erfahrungsbericht Australien
Terra australis – Südliches Land
Leon hat großes vor sich. Ein Semester Sydney, Australien. Für Bildungsweb hat er die Erlebnisse, seiner ersten Stunden „Down Under“ aufgeschrieben.
Etwas benebelt betrete ich zum ersten Mal australischen Boden. Verkatert, so fühle ich mich. Mein Gemütszustand ist jedoch nicht die Konsequenz eines zwei tägigen Feier-Exzess. Ich saß vorher in einem Flugzeug. Los ging es in Frankfurt, 23.30 Uhr deutscher Zeit, mit kurzem Zwischenstopp in Singapur, nach Sydney. Ankunft 6.20 Uhr Ortszeit. Bedeutet: 21 Stunden Flug, sechs Mahlzeiten, vier Filme und höchstens sieben Stunden miserablen Schlaf.
Angekommen
Die ersten Schritte „Down Under“ sind trotz Reisestrapazen, dann von einem anderen Gefühl gekennzeichnet: Euphorie. Endlich Australien. Schon immer wollte ich das Land bereisen, dessen Gesamtfläche 7,7 Millionen Quadratkilometer umfasst. Diesen Herzenswunsch erfülle ich mir jetzt im Rahmen eines Auslandssemesters an der University of Sydney. Die Hochschule gehört zu den acht größten Forschungseinrichtungen Australiens. Meine Fakultät wird die „Faculty of Economics and Business“ sein.
Doch bis Semesterbeginn ist noch ein Monat Zeit. Zunächst möchte ich Land und Leute kennenlernen. Etwas Spaß haben. Mich akklimatisieren. Das habe jetzt auch bitter nötig: Es ist sieben Uhr morgens und 22 Grad warm. Und das im Januar. Ein Shuttle Bus bringt mich vom „Kingsford Smith International Airport“ direkt zu meinem ersten Domizil, das „Wake Up Hostel“. Aufwachen? Ich denke, schön wäre es wenn in dieser Herberge der Name Programm ist. Und tatsächlich mit dem Erreichen meiner ersten Unterkunft, fühl ich mich schon etwas lebendiger.
Duftender Schlafsaal
Ich buche drei Nächte in einem Zehner-Dormitory, für 30 australische Dollar die Nacht, was etwa 15 Euro entspricht. Die nächsten drei Tage werde ich, mit neun anderen Menschen einen Raum teilen. Als ich mein „Schlafgemach“ betrete, kommt mir der beißende Geruch einer Mischung aus Alkohol, stinkenden Socken und schlechtem Deodorant entgegen. Weniger einladend. Aber definitiv ein Wachmacher. Nach einer ausgiebigen Dusche, habe ich Hunger. Es ist mittlerweile neun Uhr morgens, eine Zeit die prädestiniert ist für ein gutes Frühstück.
Das Wake Up Hostel hat ein kleines Cafe, bei dem bis fünf Uhr Abends gefrühstückt werden kann. Direkt werde ich mit den kulinarischen Gepflogenheiten Australiens vertraut gemacht. Es gibt Müsli, auf mein Toaste kann ich Marmelade oder Erdnussbutter schmieren. Ganz gewöhnlich eigentlich. Dann entdecke ich doch noch etwas groteskes: Als ich mein Toaste mit einer ominösen dunklen Paste bestreiche, ahne ich noch nicht, dass es sich hier um so etwas wie Brühwürfel als Brotaufstrich handelt.
Maggi auf Brot?
Das Zeug heißt Vegemite und der Geschmack ist wirklich mehr als befremdlich. Wie mein Tischnachbar mir aber versichert, werde ich es bald schätzen lernen. „You’ll love mate“. Ob ich etwaige Gefühle für dieses salzige Etwas entwickeln kann, wage ich zu bezweifeln. Mein Tischnachbar erweist sich indes als ein sehr angenehmer Gesprächspartner, der mir viel über Australien erzählen kann. Sein Name ist Adam. Er kommt aus London und ist schon seit knapp einem Jahr in Australien unterwegs.
Adam ist einer der der zahlreichen Rucksacktouristen, die Australien jährlich Einnahmen von etwa 2,5 Milliarden australischen Dollars beschert. Sydney bildet die letzte Etappe Adams Reise, bevor er in einer Woche wieder nach England fliegt. Ich frage ihn was er in den letzten Monaten alles erlebt hat. Adam beginnt zu erzählen, seine Augen glühen förmlich dabei. Gleich zu Begin seines Abenteuers habe er sich einen alten Camper Van gekauft. Ein Vehikel also, das in Deutschland als Bulli bekannt sein dürfte.
Adams Reise
Seine Reise begann just an dem Ort unserer Begegnung, erzählt Adam mir. Von Sydney aus hat er entgegen dem Uhrzeigersinn einmal Australien umrundet. An der Ostküste in Byron Bay habe er surfen gelernt. Und hervorragend feiern könne man da auch. Einen Tauchschein hat er beim spektakulärsten Korallenriff der Erde gemacht, dem Great Barrier Reef. Durch die Fluten des Tully Rivers in Cairns sei er hindurch gepaddelt. In Perth, der Hauptstadt des Bundesstaates Western Australia sei er aus 3000 Meter Höhe aus einem Flugzeug gesprungen, berichtet Adam stolz.
Bei Adams Ausführungen überschlagen sich seine Wörter. Mir ist ganz schwindelig davon. Der Jetlag meldet sich doch wieder zurück. Fasziniert bin ich von Adam trotzdem. Insbesondere von den Dingen die er erlebt hat. Das möchte ich auch, denke ich mir. Und eine Erkenntnis habe ich definitiv gewonnen: Neben dem Studium in Sydney, freue ich mich schon auf die zahlreichen anderen Abenteuer, die Down Under möglich sind. Auch dafür möchte ich mir die Zeit nehmen. Mit diesem Gefühl torkel ich in meinen muffeligen Dorm zurück und leg mich erstmals schlafen.


